Flammen über Soltau: Revolution, Werkstattpech oder doch nur heiße Luft?

Ein Artikel von Ivan Neklidny

In der beschaulichen Heidestadt Soltau – wo sich sonst Fuchs und Hase gute Nacht sagen … und manchmal der eine oder andere Panzer durchs Naturschutzgebiet brettert– brannte es in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni lichterloh. Sechs Bundeswehrfahrzeuge, auf einem Werkstattgelände abgestellt, gingen in Flammen auf. Ein Sachschaden in sechsstelliger Höhe, rußgeschwärzte Überreste – und eine ganze Region im Alarmmodus.

Schnell war klar: Das kann kein technischer Defekt gewesen sein, das muss ein Terroranschlag sein. Und wie auch anders, aus dem „linksextremen Spektrum“. Dann tauchte auch noch ein „Bekennerschreiben“ auf – etwas holprig geschrieben, ohne konkrete Details, null Bezug zur Tat, aber hey: Wer braucht schon Fakten, um Panik zu verbreiten. „RAF 2.0“ und auch noch in Niedersachsen! Die Schlapphüte in Hannover-Varenheide sind begeistert und blättern schon im Spionage-Katalog: Trojaner, Wanzen, V-Leute, neue Fördergelder. Revolutionäre Zeiten… zumindest beim Behördenapparat.

Dabei könnte alles auch ganz anders gewesen sein: Vielleicht war’s ja schlicht ein blöder Werkstattunfall. Eine Kippe in der Mittagspause zwischen Dosenravioli und Lösungsmitteldämpfen, ein vergessener Heizlüfter, oder wirklich ein bisschen Schabernack – Wer weiß das schon? Doch wo Rauch ist, muss ja wohl auch gleich eine extremistische Agenda lodern, sagen die Sicherheitsbehörden, die lieber im Nebel fischen, als bei der Realität zu bleiben. Denn „blöder Unfall“ macht sich schlecht auf der Titelseite – „Terror“ verkauft sich da viel besser, vor allem in Zeiten, in denen der staatliche Repressionsapparat seine Existenz neu rechtfertigen muss.

In dieser Provinzfarce wird viel verfeuert: Militärgerät genauso wie auch Realitätssinn, Verhältnismäßigkeit und den letzten Rest von Verstand. Statt nüchterner Aufklärung lieber großkalibrige Rhetorik. Die Debatte wird inszeniert wie ein Einsatzmanöver – Medien und Behörden im Gleichschritt.

Und offensichtlich: Sechs brennende Panzer bedeuten auch sechs Panzer weniger für Auslandseinsätze, Drohkulissen und geopolitische Spielchen. Das mag kein revolutionärer Akt sein, aber wer sich eine antikapitalistische Welt erträumt, in der Kriegsgerät keinen Platz mehr hat, darf sich vielleicht doch kurz ein Grinsen erlauben. Ironie des Schicksals, wenn ausgerechnet im Herzen der Militarisierung ein Funke überspringt.

Was bleibt: ein bisschen Asche, viele Fragen – und der Eindruck, dass die wahren Brandstifter oft Uniform tragen, hinter Schreibtischen sitzen und auf staatliche Mittel zugreifen können.

Vielleicht wird das Feuer von Soltau nie ganz aufgeklärt. Aber es leuchtet kurz das Absurde aus, das in dieser Republik oft schon Routine ist.

Autor: Ian Nadge, AKL-NDS