Lorenz A. Ist tot – die Polizei ermittelt gegen sich selbst. Alles wie zu erwarten.

14.06.2025, Niedersachsen

Oldenburg, 20. April 2025. Ein junger Schwarzer Mann stirbt nach fünf Schüssen – vier davon treffen, alle von hinten. Getötet von einem Polizisten. Der Name des Toten: Lorenz A., 21 Jahre alt. Der Name des Täters? Wird natürlich nicht genannt – man will ja seine „Privatsphäre schützen“. Der Staat schützt seine Leute eben.

Was war passiert? Lorenz wollte in einen Club, kam nicht rein – zu sportlich gekleidet vielleicht, oder zu schwarz. Es folgte ein Streit, Reizgas wurde versprüht. Lorenz flüchtete, angeblich mit einem Messer. Und dann? Dann tat ein Beamter, was manche offenbar für normalen Polizeialltag halten: Er zog seine Waffe und schoss fünfmal auf einen fliehenden Mann. Kein Warnschuss, keine Verhältnismäßigkeit – aber jede Menge „Gefahr im Verzug“.

Der Polizist sagt, er habe sich bedroht gefühlt. Von einem Mann, der weglief. Mit Reizgas. Vielleicht. Wir sagen: Wenn „Bedrohung“ reicht, um zu töten, dann sind wir alle nicht sicher – außer, wir tragen Uniform.

Aber keine Sorge: Es gibt Ermittlungen. Von Kollegen aus der Nachbardienststelle Delmenhorst. Die kennen sich. Das beruhigt. Man ermittelt also „objektiv“ gegen sich selbst – ein bewährtes Prinzip, das bisher in über 95 % aller Fälle zu keinerlei Konsequenzen geführt hat. Warum sollte sich daran auch etwas ändern?

Lorenz A. war übrigens sportlich aktiv, beliebt, in Oldenburg verwurzelt. Also schnell her mit dem üblichen Polizeibegriff: „polizeibekannt“. Reicht schon. Schon ist aus dem Opfer ein potenzieller Täter geworden. Das funktioniert fast immer. Besonders, wenn die Hautfarbe passt.

10.000 Menschen gingen nach Lorenz’ Tod in Oldenburg auf die Straße. Wut, Trauer, Verzweiflung – und die klare Forderung: Gerechtigkeit. Aufklärung. Konsequenzen. Die Antwort der Politik? Schweigen. Oder – wenn’s hochkommt – Betroffenheitsfloskeln und der Hinweis, man solle doch bitte „erst das Ergebnis der Ermittlungen abwarten“.

Wir wissen, was kommt. Gar nichts.

Denn dieser Fall ist kein tragischer Einzelfall. Er ist System. Das System heißt Polizei. Und dieses System funktioniert so, wie es gemeint ist: Kontrolle durch Angst. Und manchmal eben auch durch Kugeln.

Ironischerweise nennen sie das „Sicherheit“.Passender wäre aber „Mord“.

Kein Vergessen, kein Vergeben. Gerechtigkeit für Lorenz A. – und für alle, die von diesem System getötet, gebrochen, unsichtbar gemacht werden.

Denn wenn der Staat uns nicht schützt – müssen wir anfangen, uns selbst zu verteidigen. Mit Solidarität. Mit Widerstand. Mit Stimme.

Autor: Ian Nadge, AKL Sprecher:innenrat Niedersachsen