Antikriegstag 2025: Krieg beginnt hier – und wir mittendrin

Ein Beitrag von Ian Nadge

Ah ja, der 1. September – wieder dieser charmante Jahrestag, an dem wir uns „erinnern“ sollen, dass Deutschland 1939 in Polen einmarschierte. Erinnern heißt hier: nicht so tun, als sei das ein „Versehen eines Wahnsinnigen“ gewesen, sondern die bittere Wahrheit benennen: Imperialismus ist kein Unfall. Rosa Luxemburg hatte es schon richtig auf den Punkt gebracht: „Der Imperialismus ist nicht eine Politik, sondern ein Stadium des Kapitalismus.“ Und ja, auch 86 Jahre später läuft das Geschäft nach denselben Regeln – nur mit moderneren Waffen und mehr Excel-Tabellen …

Denn Krieg beginnt nicht weit weg – er beginnt hier, mitten unter uns. Die Bundeswehr ist längst keine „Verteidigungsarmee“ mehr, sondern ein globaler Interventionsapparat: Mali, Niger, Libanon, Persischer Golf – die Liste der Einsätze liest sich wie ein Katalog der Profiteure. Seit 1992 sind dabei 119 Bundeswehrsoldat*innen bei Auslandseinsätzen ums Leben gekommen – nur die Spitze des Eisbergs, wenn man bedenkt, dass die meisten Risiken die einfachen Soldat*innen treffen. Profiteur*innen wie Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann und Heckler & Koch lachen sich ins Fäustchen, während Werbung in Schulen und Jobmessen die nächste Generation subtil auf ihre Rolle als Kanonenfutter vorbereitet. Militarisierung ist Alltag, Popkultur inklusive.

Und jetzt bitte alle festhalten: Die Debatte über die Rückkehr der Wehrpflicht! Ein Zwangsdienst für den „Standort Deutschland“ – als ob Jugendliche aus prekären Verhältnissen plötzlich Lust hätten, für Profite und geopolitische Machtinteressen zu töten. Sozialer Pflichtdienst als weichgespülte Alternative? Gleiche autoritäre Soße, nur mit Bio-Label.

Die Bundeswehr braucht zügig mehr Personal – darüber sind sich die Regierungsparteien, die Sozialdemokraten und die konservativen Unionsparteien CDU und CSU, einig. CDU-Kanzler Friedrich Merz will aus der Bundeswehr die konventionell stärkste Armee Europas machen, wozu es eine bessere Ausrüstung und mehr als die derzeit gut 183.000 Soldatinnen und Soldaten braucht. Nach den Vorgaben der NATO müsste die Bundeswehr um 60.000 Soldat*innen aufgestockt werden. Herzlichen Glückwunsch: Noch mehr junge Menschen sollen für Profite und geopolitische Machtinteressen in den Krieg geschickt werden – freiwillig oder per Zwang.

Die NATO, die EU, die BRD – keine Friedensengel, sondern imperialistische Player. Wer heute „Demokratien gegen Autokratien“ ruft, sollte mal genauer hinschauen: Querfrontlinien inklusive, während die Profiteure auf Rüstungsexporte setzen – an Türkei, Ägypten, Israel oder Saudi-Arabien. Lenin und Rosa Luxemburg lachen aus der Geschichte, während die pazifistische Mainstream-Rhetorik mit Waffenlieferungen jongliert: „Nie wieder Krieg – aber bitte schön, deutsche Panzer für die Ukraine.“

Krieg ist nicht nur außen, er frißt sich auch nach innen: G20-Repression, neue Polizeigesetze, VS gegen Linke, Bundeswehr im Katastrophenschutz – schleichende Militarisierung, die wir alle spüren. Und wer noch Zweifel hatte, wie koloniale Kontinuitäten funktionieren: Frontex, „Entwicklungshilfe“, alles feine Werkzeuge deutscher Kriegspolitik in Afrika.

Die Opfer? Frauen, Queers, Kinder – sexualisierte Gewalt, Flucht, Reproduktionsarbeit. Keine Sonntagsrede kann das ändern. Unser Mittel: revolutionärer Antimilitarismus, kein Betteln um „Frieden“. Solidarität mit Deserteur*innen, Streik gegen Kriegsproduktion, Internationalismus statt Standortlogik. Neoliberalismus überwinden, Krieg beenden.

Und das Beste: Die Kosten des Krieges zahlen wir. Arbeiterinnen, Arme, Rentnerinnen. Unsere Antwort: Klassenkampf, Generalstreik, revolutionäre Organisierung – und nicht ein weiteres Appellchen an die Bundesregierung.

Antikriegstag heißt für uns: Hände aus den Taschen, Köpfe zusammenstecken, Fäuste ballen. Kein „Nie wieder Krieg“ in Sonntagsreden, sondern „Nie wieder Krieg“ durch Kampf  gegen das neoliberale Projekt und Solidarität.