Talanx macht Profite
Ein Beitrag von Ivan Neklidny
Der in Hannover ansässige Versicherungskonzern Talanx klopft sich selbst auf die Schulter: Nach einem Rekordhalbjahr hebt der Konzern die Gewinnprognose für 2025 an – nun sollen es satte 2,3 Milliarden Euro Nettogewinn werden, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Hannover mit. Bisher hatte Talanx, das unter anderem mit den Marken HDI und Hannover Rück am Markt aktiv ist, mehr als 2,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Nach den ersten sechs Monaten steht bereits ein Nettogewinn von 1,37 Milliarden Euro zu Buche – 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Analyst*innen hatten im Schnitt nur 1,28 Milliarden Euro erwartet – und das, obwohl „immense Schäden“ durch die Waldbrände in Kalifornien angeblich ins Kontor schlugen.
Aber keine Sorge: In unserem Neoliberalen System sind brennende Wälder, zerstörte Städte und obdachlose Menschen keine Probleme, sondern bloße Buchhaltungsfußnoten. Verluste werden nach unten durchgereicht, Gewinne bleiben oben, und die Erstversicherung von Deutschland bis Lateinamerika läuft wie geschmiert. Naturkatastrophen? Für Talanx kein Schicksal, sondern eine verlässliche Einnahmequelle. Wenn der Vorstand optimistisch auf die Hurrikan-Saison blickt, klingt das weniger wie Katastrophenwarnung – und mehr wie ein Wetterbericht für Dividenden: stürmisch, aber höchst ertragreich.
Das Problem liegt im Geschäftsmodell selbst: Versicherungen verdienen, weil Schäden einkalkuliert und menschliches Leid in Rendite umgerechnet wird. Katastrophen rechtfertigen höhere Prämien, staatliche Hilfen und Finanzgewinne, während die Last immer bei Kund*innenundSteuerzahler*innen landet. Prävention? Fehlanzeige – das System belohnt Schadensmanagement, nicht Schadensvermeidung. Reiche bekommen Policen, Arme bleiben auf der Strecke. Kurz: Talanx lebt nicht trotz Katastrophen, sondern mit und von ihnen. Prävention? Fehlanzeige.
Schluss damit! Wer den Profit aus dem Elend und der Zerstörung wirklich stoppen will, darf nicht auf moralische Appelle hoffen – die sind so nützlich wie eine Löschkanne im Flächenbrand. Wer den Profit aus Zerstörung stoppen will, muss das System angreifen: Versicherungen in öffentliche Hand, demokratisch kontrolliert durch Beschäftigte und Betroffene, solidarische Absicherung, Prävention muss Vorrang haben: Milliarden in Klimaschutz, Katastrophenprävention und Infrastruktur stecken, Unternehmen verpflichten, Schäden zu verhindern, statt sie einzupreisen. Versicherungsschutz sollte ein öffentliches Grundrecht sein, finanziert über progressive Besteuerung großer Vermögen und Konzerne. Solange Versicherungen auf Dividenden angewiesen sind, bleibt Katastrophenprofit systemimmanent. Wer das ändern will, muss Produktion und Daseinsvorsorge vom Profitzwang befreien und für das kollektive Überleben organisieren – alles andere ist ein Trauerspiel auf Kosten von Mensch und Natur.
Es ist Zeit, die Macht zu verschieben, die Ressourcen umzuleiten und Produktion und Daseinsvorsorge vom Profitzwang zu befreien. Alles andere ist Verrat an den Menschen und der Natur – und Talanx und Co werden weiterhin aus brennenden Wäldern und zerstörten Städten seine Dividenden ziehen.